J. P. Frank, *1745 in Rodalben, +1821 in Wien
       und Sohn Joseph Frank, 1771 - 1841
Nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem das Land noch mehr verheerenden
Pfälzischen Erbfolgekrieg, 1688 - 1697, kam das Markgrafschaftlich Badische Ämtchen
Gräfenstein
mit dem Hauptort Rodalben und der schon 1635 verbrannten Burg bei Merzalben
durch Zuzug neuer Bürger zu einigem Aufschwung.
Weitgehende Vergünstigungen nach den sogenannten
Gräfensteiner Forstrechten halfen
den ländlichen Untertanen in diesem überwiegenden Waldland zu wirtschaften.
Die Alte Kirche Mariä Geburt, zum Bistum Metz gehörend, wurde 1735 entscheidend
vergrößert, ein Amtshaus sowie andere notwendige Gebäude für etwa 800 Einwohner
konnten errichtet werden. Die gütige Markgrafschaft Baden, dazu das nahe,
aufklärerische Frankreich wirkten von außen - zahlreiche israelitische Bürger im Innern.
In dieser Blütezeit heiratete der vermutlich französiche Heeresagent Niklas Frank
eine Rodalber Bürgertochter, deren Familie das stattliche, sogenannte Frank'sche
Fachwerkhaus
in der Ortsmitte erbaute. Hier kam Johann Peter unter 13 Geschwistern
zur Welt. Siehe seine
Selbstbiografie !
Doch sein Geburtsort wurde ihm nicht Heimat, denn früh studierte der junge Mann in
Metz, Straßburg und in Frankreich. Der Aufklärung und der Menschenliebe folgend, widmete er sich
als Arzt einer damals dringend notwendigen neuen Sozialhygiene. Er wollte in 6 Bänden die
Menschen über Gesundheitspflege von der Wiege bis zur Bahre aufklären. Wie es in der absolutistischen
Fürstenzeit üblich war, wurde es eine Vollständige Medicinische Polizey,
was bedeutete, daß, wenn schon nicht bürgerliche Revolution für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz,
Humanität, es
als Aufgabe einer allgnädigen Staatsmacht angesehen war bzw. ausgegeben wurde,
für den kleinen
Massenbürger Alles von Oben zu organisieren, eine frühe Deutsche Gesundheitsreform.
Man kann diese soziale Not der entwurzelten Landleute in den großen Städten wie im Spiegel
betrachten bei L.-S. Mercier: Tableau de Paris.
Siehe etwa dazu einen
Aufsatz des Seuchenhygienikers Stefan Winkle (1911-2006),
wo auch J.P.Frank, J.Frank und W.A.Mozart vorkommen. Modern sind so die Slums bei den Millionenstädten
als Kehrseite einer anonymen Finanzmacht zu sehen.
Als ehemalige Professoren der Universität Wilna, heute Vilnius, sind Vater und Sohn
Frank am weitesten bekannt.
Als 1792 die Französische Revolution erfolglos auch nach Rodalben kam, flohen
Klerus und Verwaltung über den Rhein nach Baden.
Die linksrheinische Kurpfalz und alle Landflecken wurden von Frankreich annektiert und
als Fränkische Republik bürgerlich neuorganisiert.
Den Weltbürger J.P. Frank sprach Napoleon folgerichtig als Franzosen an (1809). Non, Sire, de Bade!
Es ging Napoleon jetzt wohl um Seuchen im ungesunden Paris und in seinen zusammengetrommelten Heereskontingenten,
zuletzt in Rußland, wo die Große Armee daran zugrundegehen musste.
Dazu wieder Professor Winkle:
In Norditalien, besonders im Sumpfgebiet des Mincio um Mantua, drohte ihm die Malaria
mitten in seinem Siegeslauf (1796) sein Heer zu vernichten. Während des Ägyptenfeldzuges
(1798/99), wo seine Truppen unter Ruhr und Trachom schwer zu leiden hatten, zwang ihn die
Pest, vor Akkon den Vormarsch nach dem Osten abzubrechen. 1802 vernichtete das Gelbfieber
das nach St. Domingo entsandte Expeditionscorps. Fleckfieber, Typhus und Ruhr, die ihm
bereits nach Austerlitz (1805), nach Jena (1806) und in Spanien (1808) viele Sorgen
bereiteten, trugen viel zur Vernichtung der Grande Armée während des Winterfeldzuges
in Russland (1812) bei.
1812 war das Menetekel für ein ähnlich katastophales Militärunternehmen 130 Jahre später.
Beschreibende Hygiene hätte ohnehin
nicht mehr geholfen. Die wirksamen naturwissenschaftlich-medizinischen Entdeckungen zu den Mikroben,
wie Bakterien, Pilzen, Viren, sind
auf dem bereiteten Feld erst durch andere, weltberühmt gewordene Forscher gemacht worden.
Nach den Befreiungskriegen wurde die Pfalz 1816 bayrisch. Bis zur stabilen Regierung
nach 1848 gab es Hungersnot, Revolutionsversuche und Auswanderung in die Neue Welt. Einige Familien
waren so arm, daß sie zu Fuß 425 km auf der Kaiserstraße nach Paris zogen, um sich beim Bau der großen
Boulevards und noch bis 1900 an der Metro zu verdingen.
Bemerken Sie:
Der Ort Rodalben war bis 1792 markgräflich badisch, dann fränkisch/französich
und 1816 - 1945 (!) bayrisch.
Nach weiteren Irrungen und Wirrungen wohnen heute etwa 7000 Leute im Ort Rodalben,
Zumeist Ruheständler der einstigen Schuhindustrie. Allen geht es gut, einigen unverdient
besser.
Ein paar suchen sich an die längst vergangene sozialmedizinische Leistung dieses
vornehmen Menschen
anzuhängen. Statt eigener Taten und Verdienste reden und schreiben sie große
Worte, um die Welt damit heimzusuchen .
update # 3 of   10 Dezember 2008